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Psyche und Thanatos


"Verzeih´mir Geliebter,ich bedaure dein Aufkommen, aber noch kann ich dich nicht begleiten, ich kann diesen Ort noch nicht verlassen.",sagte die Seele zum Schlaf.
Sie war verwundert über sein Aufkommen,darüber, einfach so, jetzt hervorzutreten, ohne daß sie ihn brauchen konnte oder sie nach ihm gerufen hatte.
Er kam einfach so, die Seele zum Schlafe zu holen und wollte sie bedecken.......aber nein. Dafür war sie nicht bereit.
Also sagte der Schlaf zu ihr: "Nennst mich Geliebter und vertreibst mich, wie paßt das zusammen?"
Ohne lange zu überlegen sagte die Seele:"Mich mit dir zu vereinen würde Ruhe bedeuten.Ruhe und Stillstand und fehlende Zeit zum Denken, und ich muß so sehr viel denkend tun."
Und daraufhin erwiderte der Schlaf:" Nun Seele, bei all deinem denkenden Tun kann ich dich nicht stützen.Da ich keine halben Sachen mache ist es wohl sinnvoller wieder zu gehen."
Und damit verschwand der Schlaf vorübergehend, verärgert über die Ablehnung.
Endlich begann die Seele zu werken.
Nicht ganz in bester Verfassung, dachte sie sich Länder in allen möglichen Farbschattierungen, reinste Paradiese der Harmonie, sie dachte Blumenwiesen und allerlei Geschöpfe um an Land, in der Luft und im Wasser zu leben.Sie dachte viele Pflanzen die Geschöpfe zu ernähren, sie dachte sich Himmel und Erde, Weltall und Gestirne für ihre Welt.
Voller Tatendrang erdachte und erschuf sie alles.
Wieder kam der Schlaf und wollte sie sanft bedecken. Wieder verneinte die Seele."nein, noch darf ich nicht ruhen.Meine Welt muß vollkommen sein." Und der Schlaf ging davon.
Verletzt über den Starrsinn der Seele zog er sich von ihr zurück, ohne die Verschmähung jemals zu vergessen.
So vergingen Jahre. Die Seele dachte weitere Welten, ihre ganz eigenen, mit ihren Gesetzen die die Lebewesen befolgen sollten.
Sie schuf Pflanzen und Geschöpfe in solcher Vielfalt und Intensität, daß sie nicht spürte wie die eigene Kraft versiegte.
Jedes Gestirn hatte einen Namen, jedes Geschöpf, jede Pflanze. Und endlich war ihre Welt perfekt.
Zufrieden, aber ungeachtet der Zeit, legte die Seele sich nieder und wartete auf ihren Geliebten, den Schlaf.
Doch dieser kam nicht.
Psyche blieb allein in ihrer selbst erwählten, tiefen Erschöpfung. Alles was sie erdacht hatte war perfekt, doch oh.....zu welchem Preis erkannte sie erst jetzt.Ihre schützende Hülle war zerbrochen, ihre schaffenden Gedanken erlahmt und erschöpft. Hungernd und durstend und nach Schlaf suchend spürte sie die Nähe des Anderen.
Sie hatte ihn verschmäht, den Schlaf, und jetzt war sie schwach und schutzlos Thanatos ausgeliefert.
Psyche machte sich widerwillig bereit; verabschiedete sich von der Welt die sie erdacht hatte und legte sich nieder.
Und sie wartete.
Nach kurzer Zeit schon kam er herangepirscht, langsam erst, doch unaufhaltsam. Er nahm Psyche jedes Gefühl der Schwere und Kälte ab. Innerhalb seiner Grenzen war sie warm und tot, tot und frei.
Die Welt die sie erdacht hatte lebt weiter, und auch Psyche lebt weiter, weit entfernt von dem verschmähten Geliebten, tief und unentrinnbar in Thanatos Armen.

21.12.07 20:17
 



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