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Brief im April

Es ist ein verregneter Apriltag an dem ich wieder das Verlangen verspüre zu unseren Felsen zu gehen und dort einmal wieder zu verharren. Dort Frieden zu suchen und mich ein bißchen zu erinnern an unsere wenige, gemeinsame Zeit. Also bin ich losgelaufen, habe aber nicht wirklich die Kälte gespürt die an diesem Frühlingstag vorherrscht, denn wer sich bewegt und nicht still steht der bemerkt nicht immer alles was es in ihm und um ihn herum zu fühlen gibt.
In den Wäldern erwacht das Leben, den Bäumen wachsen die Blätter und hier und da, wenn ich still stehe, kann ich es vereinzelt unter dem ganzen Laub rascheln hören.Es ist wie es immer zu sein hat in diesem ewigen Kreislauf, alles erwacht und lebt und stirbt, um dann wieder zu kehren. Ich versuche mich zu erinnern ob ich es jemals so empfunden habe als Du noch hier warst, aber es ist schon so lange her, und ich kann mich nicht an jede Einzelheit erinnern, aber ich bemerke, daß mir das weh tut.Nicht zu wissen, was ich empfunden habe, als ich mit DIR hier.

Ich sitze auf unserem Felsen, es regnet und ich bin schon völlig durchnässt, aber es ist geich, denn ich beginne unter der Nässe und Kälte zu fühlen, mein Herz schlägt im alten Rhythmus den wir hier fühlten, nur wir beide wenn wir hier allein waren.
Es ist, als würde ich Dich zwischen den Bäumen stehen sehn, wie Du Dich verwundert über das Leben umschaust, überlegst umzudrehen weil wir nicht wissen ob wir den richtigen Weg genommen haben, aber auch jetzt kann ich Dich nicht halten, es ist wie es wohl das Schicksal wollte, Du bist "dort" und ich bin "hier".
In der Höhe hinter mir saßen wir und haben den Kerzen zugesehen beim Verlöschen, uns versprochen da zu sein und zusammen zu sein, aber wie hätten wir das tun sollen in dieser Welt? Nein, ich konnte nicht mit Dir gehn. Und ich weiß, Du verstehst wie Du immer verstanden hast.

Ich denke nach über die Liebe die wir gesucht haben.
Habe ich sie verraten? Habe ich Dich, habe ich uns, hast DU mich und uns verraten? Ist es Verrat daß ich nicht Deinen Weg genommen habe, daß wir uns an einer der vielen Kreuzungen trennten? Wir haben sie nicht zusammen gefunden in unsrer Zeit, die Liebe nicht und auch keinen Weg.
Ich wünschte, ich hätte Dir geben können was ich jetzt erfahre, was ich jetzt geben kann und wir hätten zusammen die Träume gehabt die jetzt mein Dasein erfüllen. Ich dachte er sei leer gewesen, der Platz im Herzen in dem DU einst gewohnt hast. Auf leisen Schwingen hast Du mich wohl aber immer begleitet und auch unerkannt und unsichtbar weiter mein Herz bewohnt. Wenn ich auf den kalten Stein starre auf dem Dein Name steht, efeuumrankt, ist es doch so, daß ich endlich wieder atmen kann und Dich fühle, wo auch immer mich mein Weg hinführt. Und so oft ich Dich jetzt besuche wünsche ich mir manchmal immer noch, da unten bei Dir zu sein, aber es wird seltener und seltener, und ich habe begonnen Schritt für Schritt mich von unserem Dunkel zu entfernen.

Es würde Dir gefallen, denke ich jetzt und will ich Dir zuflüstern, es würde Dir gefallen hier im Licht, im Leben, und zugleich sehe ich Deine schwarze, düstere und schöne Gestalt zwischen den Bäumen stehn, deren Äste im Aprilregen dem Sturm trotzen,  und es wird mir einmal mehr bewußt daß wir nicht zum Leben bestimmt waren. Und wie so oft raubt die Trauer mir den Atem, es ist die Erkenntnis daß ich Dich nie wieder sehen werde die mich manchmal einem Faustschlag gleich überkommt. Nach all den Jahren ist kein Schmerz weniger geworden, die Zeit heilt nicht die Wunden, sie vergeht nur und hat mich glauben machen wollen, würde ich Dich vergessen würde der Schmerz gelindert werden. Doch noch immer, wenn ich hier sitze, erscheinst Du auf dem Weg vor mir, wenn ich versuche zu schlafen betrittst Du unbemerkt meine Träume und scheichst Dich wieder ins Herz ein.

Der Regen wäscht alles weg was mich an Verrat denken läßt, es war immer meine größte Angst. Was, wenn nur einer bleibt?
Wenn Du geblieben wärst, wer hätte Dir von Deinem strahlenden Herz erzählt, wer hätte mit Dir Deine eigene Welt betreten, es warst doch immer nur Du der niemanden sonst eingelassen hat. Wer hätte über Dich gewacht wenn Dich Dein Zweifel und Dein Zorn wieder zerrissen hätten, wer hätte Deinen Körper gehalten wenn Du vergebens versucht hättest vor der Erinnerung in eine andere Wirklichkeit zu fliehen, wer hätte Dich geliebt wie Du eben warst?
Was wäre gewesen, wenn ICH gegangen wäre?
Es ist wohl wieder der Egoismus der mich überkommt. Du hättest Dein Leben weiter gelebt. Vielleicht würdest Du jetzt an meiner Statt hier sitzen, vielleicht würdest Du keinen Gedanken verschwenden. ABER sicher wäre ich bei Dir bei allem was Du tun würdest.
Und so bin ich geblieben, meine größte Angst hast Du erfüllt, so wie Du meine innersten Träume erfüllt hast.

Der Regen wird weniger, ich spüre das Salz in meinen Augen und sehe Dein Lächeln, während Deine Gestalt zu strahlen beginnt im Licht der wiederkehrenden Sonne. Es scheint Dir zu gefallen was sich in der Welt manifestiert die Du so unbedingt hast verlassen müssen.
Das Herz, das dachte es muß aufhören zu schlagen mit dem Deinen, es lebt und atmet und schlägt wie es das nie zuvor getan hat, und es wispert Dir zu, daß sie existiert, die Liebe des Lebens. Die Verschmelzung von Seelen.Wir haben nicht vergebens gesucht. Nichts vergeudet und nichts vertan.

Du verschwindest zwischen den Bäumen, es ist als sitzt Du jetzt in der Höhle, lächelst mich an und schickst mich fort, denn es ist Zeit heimzukehren. Du gehst in Dein Zu Hause, ich in das Meine, zu dem Du mich geführt hast.
Ich verlasse UNSERE Heimat für heute, für diesen einen Tag, und ich weiß doch, daß ich immer wieder zurückkehren werde.
Die Sonne trocknet alle Tränen.
Kein Verrat. Nicht an Dir, nicht an mir, nicht an uns und nicht an der Liebe.

Ich habe Dich nie verlassen. DU hast mich niemals verlassen.


 
29.4.12 01:03
 



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